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Der demographische Wandel und seine Auswirkungen auf die Wirtschaft

Aus­wir­kun­gen des Demo­gra­fi­schen Wan­del auf Unternehmen

Der demo­gra­phi­sche Wan­del und sei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Wirtschaft?

“War of Talents” und “Demo­gra­fi­sche Sche­re” sind längst kei­ne Fremd­wör­ter mehr. Doch die meis­ten Unter­neh­men hat­ten bis­lang herz­lich wenig dafür übrig. Die Alters­struk­tur ist doch gut wie sie ist – war­um etwas ändern? Aber die Zei­ten ändern sich. Aus weit ent­fern­ten Zukunfts­pro­gno­sen ist Rea­li­tät gewor­den. Längst ist der demo­gra­fi­sche Wan­del im Hier und Jetzt ange­kom­men. Gera­de Per­so­na­ler und Geschäfts­füh­rung bekom­men ihn deut­lich zu spü­ren. Doch was bedeu­tet das eigent­lich – demo­gra­fi­scher Wan­del? Wel­che Fak­to­ren trei­ben die Ent­wick­lung vor­an und wie wirkt sie sich auf die Wett­be­werbs­fä­hig­keit von Unter­neh­men aus?

Was bedeu­tet demo­gra­fi­scher Wandel?

Demo­gra­fi­scher Wan­del bedeu­tet nichts ande­res, als dass sich die essen­zi­el­le Struk­tur der Bevöl­ke­rung eines Lan­des ver­än­dert. Die­se Ver­än­de­run­gen sind aber nicht nur vor­über­ge­hend. Sie sind von Dau­er. So krem­pelt sich die Zusam­men­set­zung der Bevöl­ke­rung grund­le­gend um.

Was sind die Haupt­ein­fluss­fak­to­ren der demo­gra­fi­schen Entwicklung?

Drei Para­me­ter sind maß­geb­lich für den demo­gra­fi­schen Wan­del verantwortlich:

  • die Lebens­er­war­tung
  • die Gebur­ten­ra­te
  • der Wan­de­rungs­sal­do

Stei­gen­de Lebenserwartung

Die Lebens­er­war­tung in Deutsch­land steigt – und das schon seit einem gan­zen Jahr­hun­dert. Seit den 1970er-Jah­ren darf sich jeder Gebo­re­ne im Schnitt auf bis zu 2,5 Extra­jah­re pro Jahr­zehnt freu­en. Laut der Ster­be­ta­fel von 2010/2012 schaf­fen es die Mäd­chen auf durch­schnitt­lich 83 Jah­re und die Jun­gen auf 78 Jahre.

Und das soll es noch lan­ge nicht gewe­sen sein. Bis zum Jahr 2060 rech­net das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt mit wei­te­ren sechs bis acht Jah­ren Lebens­er­war­tung für die Mäd­chen und wei­te­ren sie­ben bis neun Jah­ren für die Jun­gen. Grund für die erfreu­li­chen Pro­gno­sen ist die merk­lich gestie­ge­ne Über­le­bens­wahr­schein­lich­keit im fort­ge­schrit­te­nen Alter. Die moder­ne Medi­zin ver­län­gert das Leben um eini­ge kost­ba­re Jahre.

Nied­ri­ge Geburtsraten

In den 1950er und 1960er-Jah­ren herrsch­te ein regel­rech­ter Baby­boom. Im Schnitt brach­te jede Frau damals zwei Kin­der zur Welt. Doch dann kam der Pil­len­knick. Mit der Ein­füh­rung der Anti-Baby-Pil­le in den 1960er-Jah­ren schwin­det die Gebur­ten­ra­te auf nur mehr 1,4 Kin­der pro Frau – weit unter dem über­le­bens­wich­ti­gen und bestands­er­hal­ten­den Niveau von 2,1 Babys pro Frau. Sprich: Nur mehr zwei Drit­tel von Eltern­ge­nera­tio­nen wer­den von ihrem Nach­wuchs ersetzt. Und das soll auch in Zukunft so blei­ben. Laut Berech­nun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes soll die Gebur­ten­ra­te kon­stant zwi­schen 1,4 und 1,6 Kin­der pro Frau bleiben.

Schwan­ken­der Wanderungssaldo

Seit 1972 kön­nen die Gebur­ten die Ster­be­fäl­le in Deutsch­land nicht mehr aus­glei­chen. Zum Glück ließ sich die­se nega­ti­ve Ent­wick­lung in der Ver­gan­gen­heit stets durch einen posi­ti­ven Wan­de­rungs­sal­do kom­pen­sie­ren. Aller­dings weist die­ser in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer wie­der star­ke Schwan­kun­gen auf. Der letz­te gro­ße Zustrom erfolg­te 1992, als der Ost­block für soge­nann­te Aus­sied­ler geöff­net wur­de. Nach die­ser Zuwan­de­rungs­spit­ze jedoch ging der Wan­de­rungs­sal­do zurück. Zwi­schen 2003 und 2011 war daher bereits ein leich­ter Bevöl­ke­rungs­rück­gang zu spüren.

Doch es gibt Grund zum Auf­at­men: Seit 2012 ist der Trend in Deutsch­land wie­der posi­tiv. Allein 2014 durf­te man einen Wan­de­rungs­sal­do von 550 000 ver­zeich­nen – mit Ten­denz stei­gend. Durch den mas­si­ven Flücht­lings­zu­strom im Jahr 2015 ist sogar noch­mals mit einem spür­ba­ren Wan­de­rungs­zu­schuss zu rechnen.

Gut zu wissen:

Die­se essen­zi­el­len gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen krem­peln eine Gesell­schaft spür­bar und dau­er­haft um – sei es auf Kommunal‑, Lan­des- oder Bun­des­ebe­ne. Auf nahe­zu allen Ebe­nen macht sich der demo­gra­fi­sche Wan­del bemerk­bar – ob in der Arbeits­welt, bei den Sozi­al­ver­si­che­run­gen, in der Fami­li­en­po­li­tik oder bei der Infrastruktur.

Der demo­gra­fi­sche Wan­del und sei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Arbeitswelt

Beson­ders stark zu spü­ren bekommt den demo­gra­fi­schen Wan­del die Arbeits­welt. Denn in kaum einem Bereich ist die Bevöl­ke­rungs­struk­tur, ins­be­son­de­re die Alters­struk­tur, so rele­vant. Maß­geb­lich wirkt sie sich auf die Pro­duk­ti­vi­tät und das Wachs­tums­po­ten­zi­al der Volks­wirt­schaft aus. Eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung: Die Sozi­al­ver­si­che­rungs­sys­te­me eines Lan­des sind von aus­rei­chend Bei­trags­zah­lern und damit sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­tig­ten abhän­gig. Nur so kön­nen dem Bür­ger rei­bungs­lo­se Renten‑, Kran­ken- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rungs­leis­tun­gen garan­tiert werden.

Die Erwerbs­be­völ­ke­rung schwindet

Schrumpft und altert die Bevöl­ke­rung, ist bis 2060 mit einem Rück­gang der Erwerbs­be­völ­ke­rung von 20 bis 30 Pro­zent zu rech­nen. In Zah­len gespro­chen: 2014 waren es noch 49 Mil­lio­nen Erwerbs­tä­ti­ge. Infol­ge des demo­gra­fi­schen Wan­dels aber könn­te die Anzahl auf 38 Mil­lio­nen oder gar 34 Mil­lio­nen sin­ken – schlech­te Nach­rich­ten für den Arbeits­markt. Das Erwerbs­per­so­nen­po­ten­zi­al nimmt dras­tisch ab und bedroht die Pro­duk­ti­vi­tät und das Wachs­tums­po­ten­zi­al der Arbeitswelt.

Fach­kräf­te­man­gel bahnt sich an

Schon heu­te kla­gen Unter­neh­men über Fach­kräf­te­man­gel. Doch die Lage soll sich in Zukunft sogar noch mehr zuspit­zen. Laut einer neu­en Stu­die des Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tuts Pro­g­nos für die Ver­ei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft könn­ten 2025 rund 2,9 Mil­lio­nen Fach­kräf­te auf dem deut­schen Arbeits­markt fehlen.

Schuld am Fach­kräf­te­man­gel ist der demo­gra­phi­sche Wan­del. Schritt für Schritt ver­ab­schie­det sich die kin­der­rei­che Baby­boo­mer-Genera­ti­on vom aktu­el­len Arbeits­markt und hin­ter­lässt eine gro­ße Lücke an Fach­kräf­ten. Bis 2031 soll die­se Lücke ihren Höhe­punkt errei­chen. Dann feh­len Deutsch­land bereits 3,6 Mil­lio­nen qua­li­fi­zier­te Arbeitskräfte.

Unaus­ge­gli­che­ne Bevölkerungsstruktur

Tag für Tag steigt die Lebens­er­war­tung um sechs Stun­den. So dür­fen wir uns über ein deut­lich län­ge­res Leben freu­en. Das Max-Planck-Insti­tut geht sogar davon aus, dass jedes zwei­te seit 2000 gebo­re­ne Kind die gol­de­ne 100-Mar­ke kna­cken wird.

Für Arbeit und Wirt­schaft ist das Geschenk des län­ge­ren Lebens aber nicht immer nur ein Geschenk. Im Gegen­teil: Unse­re Gesell­schaft wird immer älter. Und je älter sie wird, des­to weni­ger Beschäf­tig­te im erwerbs­fä­hi­gen Alter gibt es. Umso grö­ßer fällt die Arbeits­be­las­tung für die Jün­ge­ren aus. Der Grund: Den Älte­ren unse­rer Gesell­schaft muss immer län­ger Ren­te gezahlt werden.

Wie wirkt sich der demo­gra­phi­sche Wan­del auf die Wett­be­werbs­fä­hig­keit von Unter­neh­men aus?

Der demo­gra­phi­sche Wan­del macht der Wett­be­werbs­fä­hig­keit von Unter­neh­men einen dicken Strich durch die Rech­nung. Der Fach­kräf­te­man­gel, die immer älte­re wer­den­de Bevöl­ke­rung und die schwin­den­de Zahl an erwerbs­fä­hi­gen Beschäf­tig­ten bedro­hen die Kon­kur­renz­fä­hig­keit. Es wird schwie­ri­ger, sich gegen­über sei­nen Neben­buh­lern zu behaupten.

Doch selbst­ver­ständ­lich neh­men Kon­zer­ne die demo­gra­phi­schen Ent­wick­lun­gen nicht taten­los hin. Sie kon­zen­trie­ren sich ver­stärkt auf den wohl wich­tigs­ten Wett­be­werbs­fak­tor Mit­ar­bei­ter. Der War of Talents ist in vol­lem Gan­ge. Mit viel Hin­ga­be, Fein­ge­fühl und Krea­ti­vi­tät buh­len sie um die bes­ten Bewer­ber auf dem Arbeits­markt. Vom ori­gi­nel­len Employ­er Bran­ding über die bes­te Work-Life-Balan­ce bis hin zum offe­nen, moder­nen Arbeits­um­feld – im Kampf um den wich­tigs­ten Wett­be­werbs­fak­tor Mit­ar­bei­ter scheu­en vie­le Unter­neh­men kei­ne Kos­ten und Mühen.

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